*Blutige Lippe-Edition*

Rudi Müllenbach:

Grubenteufel

 

»Warum krieg ich immer einen vorn Kopp?«


Als ein syrischer Flüchtling in Bottrop auf offener Straße durch Kopfschuss getötet wird, muss sich Kommissar Udo Bitze mit Staatsanwältin Ellen Schrader auf die Jagd nach einem psychopathischen Heckenschützen machen.

 

Was weiß der Psychologe Doktor Robert? Welche Rolle spielt ein ehemaliger Zechenkumpel mit posttraumatischer Verbitterungs-störung? Wer ist der „Grubenteufel“? Kommissar Bitze ermittelt zwischen Bottrop, Iserlohn und Oberhausen.

 

Zeitgleich versucht eine Bande Kleinkrimineller aus dem Ruhrgebiet, in das Geschäft der illegalen Beschaffung und Verschickung edler Luxusautos nach Osteuropa einzusteigen und dieses zu übernehmen. Doch dann machen die Ganoven den Fehler, der falschen Person einen Mustang zu stehlen.

 

Und als wenn ihm Kippen-Kurt, Knoten-Jürgen und all die anderen Gauner(innen?) nicht schon genug Ärger machten, ist Bitzes neuer junger Kollege von Stiernitz auch nicht das Gelbe vom Ei.

 

Mit Kommissar Bitzes viertem Fall führt Rudi Müllenbach den Leser tief in die Abgründe der menschlichen Seele.

 

ISBN 978-3-940853-59-2, Taschenbuch, 260 Seiten

EUR 12,-

Covermotiv gemalt von Petra Lukoschek.

 

 

Leseprobe

 

Bitze bemerkte das Flackern in den Augen des Fremden, der ihm die Tür geöffnet hatte. In der Zwischenzeit standen einige Männer im Flur des alten Bauernhauses. Bitze beobachtete ihre Gesichter und berührte das Foto in seiner Tasche. Er war immer mehr davon überzeugt, dass der Tote zu dieser Gruppe gehörte. Bitze beschloss, in die Offensive zu gehen. Er zog das Foto aus der Tasche und zeigte es Janko.
»Kennen Sie diesen Mann?«
Das erschrockene Gemurmel im Hintergrund war Antwort genug. Janko zögerte einen Moment. Er reichte Bitze die Hand: »Kommen Sie rein. Holger Janko.«
»Udo Bitze, Kommissariat Bottrop.«
Janko führte Bitze in den großen Wohnraum. Die Männer hielten sich im Hintergrund. In knappen Sätzen erzählte Janko dem Hauptkommissar seine Geschichte.
Angefangen hatte es mit einem Zeitungsinserat ›Männer für Sammeldienst im Ruhrgebiet gesucht.‹ Janko zeigte Bitze die Visitenkarte M L C Kurierdienste Oberhausen mit der dazugehörenden Handynummer, über die er alle Anweisungen bekommen hatte. »Scheinbar eine Briefkastenfirma«, fügte er murmelnd hinzu.
Den weiteren Teil der Geschichte hatte Bitze im Sauerland hautnah mitbekommen. Von dort kamen die Männer, die Janko zum ›Sammeln‹ schickte. Es waren allesamt Flüchtlinge, die über die Balkanroute nach Deutschland gekommen waren und alle hofften, auf diese Weise schnell Geld für sich und ihre Familien zu verdienen. Geld bedeutete Aufenthalt und zurück in die heimatlichen Kriegsgebiete wollte niemand. Der Großteil der Einnahmen ging allerdings an MLC Kurierdienste. Für Janko und seine Truppe blieb nur ein eher spärliches Budget.
Dann war dieser Verrückte aufgetaucht, der die Jagd auf seine Männer eröffnet hatte und sie scheinbar wie tollwütige Tiere abschießen wollte. Einen hatte er schon erwischt und ein anderer lag verwundet im Krankenhaus.
»Die Männer wollen nicht mehr auf die Straße«, murmelte Janko.
Bitze schaute sich um und sah ängstliche Gesichter. »Was sagt denn Ihre Zentrale dazu?«, wollte Bitze wissen.
Janko zuckte mit den Schultern. »Ich erreiche dort seit Tagen niemanden mehr. Die Frau, die sich dort immer meldete, scheint wie vom Erdboden verschwunden zu sein.«
Bitze hatte sich einige Notizen gemacht. »Wir werden uns darum kümmern«, versprach er. »Am besten lassen sie die Männer mal für ein, zwei Tage hier. Sie können sich jederzeit bei mir melden. Ich wohne im Nachbarhaus. Die Visitenkarte ihrer Firma würde ich gern mitnehmen.«
Bitze verabschiedete sich von Janko und ließ eine verunsicherte Truppe zurück. Vor der Tür stehend hörte er noch ihr sorgenvolles Gemurmel. Kopfschüttelnd ging er weiter und versuchte, eine erste Ordnung in seine Gedankenwelt zu bringen.

 

Ellen Schrader erwartete ihn im Hof.
»Und?«, fragte sie.
»Arme Schweine«, presste Bitze hervor, »auf der Flucht dem Tod mehrfach von der Schüppe gesprungen und jetzt hier gestrandet und im Visier eines Wahnsinnigen gelandet.«

 

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