Christian Huppert:

Unkraut auf Rügen

 

Ein Smartphone-Reiseromänchen

 

 

Die Beinahe-Reaktorkatastrophe von Kühlungsborn: Du hast sie überlebt. Genauso wie Du die Bad Sülzer Hausmannskost verdaut hast, ohne mit dem Magen zu zucken. Doch das eigentliche Abenteuer beginnt erst, wenn das Festland hinter Dir liegt: Rügen ist keine Insel für Kleingeister und Wagemutlose.

 

Stelle Dich der Herausforderung und gehe auf die Jagd nach der Kiwi des Ostens. Atme den Pesthauch der Vergangenheit, ohne vom Kreidefelsen zu fallen. Suche die Perlen der Ostsee und finde sie nicht.

 

Dann warte nicht zu lange auf die Klärung der wichtigsten Frage: „Warum bist Du eigentlich hier?“

 

 

ISBN 9783940854585

mit 70 aberwitzigen Abbildungen

Taschenbuch, 78 S.

EUR 10,-

 

 

Leseprobe

 

Eine unerwartete, wenngleich geniale Erfindung entdecke ich auf der Insel, platziert vor einem kleinen Lädchen mit Gedöns, das vor allem Frauleute interessiert. Den Männerwartestuhl. Dort kann der geplagte Gatte sitzen und nichts tun, während Gattin sich das Gedöns anschaut. Das nenne ich eine klassische win-win-Situation.
Da die berufliche Existenz vieler Menschen auf der Insel vom Tourismus abhängt, sind Reisende stets willkommen, was sich wiederum am herzlichen und zuvorkommenden Umgang der Geschäftsleute mit Kunden beobachten lässt. Rein zufällig werde ich Zeuge, wie eine ältere Dame, mal wieder mit Rollator bewaffnet – es könnte sich durchaus um das gleiche Weib handeln, welches mich gestern am Baumwipfelpfad ungnädigst überholt hat –, einen der unlängst erwähnten Kaufläden
mit Gedöns betritt, um eine Postkarte zu erwerben. Hinter der Kasse steht eine Frau mittleren Alters, die mit einem unbekannten Gesprächspartner ihre Eheprobleme via Smartphone zu lösen versucht, was aber nicht zu gelingen scheint. Das Telefon weiter am Ohr pappend, wird sie der potenziellen Kundin gewahr und spricht:

»Kann ich was tun?«

Rollator-Lady antwortet mit einer Gegenfrage, während sie mit der Postkarte wedelt:

»Bekomme ich hierfür auch eine Briefmarke?«

Die Geschäftsfrau entgegnet nicht zu höflich:

»Karte kann ich Ihnen verkaufen, Briefmarken nicht. Wir sind auf ’ner Insel und nicht im KaDeWe.«

»Und wo bekomme ich Briefmarken?«, möchte die Dame nur ein gar kleines Licht in ihre Finsternis der Unwissenheit erleuchtet wissen.

Nicht vergeblich, ihr Ansinnen wird erhört, doch vergebens ist die Hoffnung auf weniger Galligkeit:

»Immer diese Touristen«, pampt die Geschäftsfrau ins Handy, »500 Meter von hier. Mit ihrem Rolli schaffen Se das schon.«
Irritiert wende ich mich ab und erhole mich im Männerwartestuhl.

 

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