Moritz Böger: Der Geisterspeer

Chronik der Söldner

 

Ein legendärer Speer kann ein Königreich stürzen. Doch wer ihn führt, riskiert alles.

 

Im nordischen Königreich Steinthor kämpfen Klans um die Vorherr­schaft, während der maskierte König sein Volk mit Angst und Gewalt zum Schweigen bringt.

 

Der begabte Straßenjunge Eko schlägt sich mit Diebstählen und zwie­lichtigen Aufträgen durch, bis der Blutzopf-Klan auf seine verborgene Gabe aufmerksam wird.

 

Zur gleichen Zeit dringt die Kommandantin Jördis in die Katakomben einer alten Metropole vor, wo Monster und uralte Geheimnisse lauern. Mit ihrer Einheit verfolgt sie die Spur eines magischen Artefakts von unberechenbarer Macht: Gungnir, der Geisterspeer.

 

Im Chaos eines blutigen Aufstands kreuzen sich ihre Wege. Eko muss erkennen: Manche Mächte warten nicht im Schatten. Sie wachsen darin.

 

ISBN 978-3-9912497-02-1

Paperback, 410 Seiten

Covermotiv von Tamara Tegethoff

EUR 18,00

„In einer packenden Fantasywelt navigiert eine schlagkräftige Truppe freiheitsliebender Kämpferinnen ihren Kurs zwischen Machtkämpfen und Rebellion.”
– Judith und Christian Vogt, preisgekröntes Duo der Phantastik

„Nordisch geprägte Fantasy, die Spannung mit klugen gesellschaftlichen Fragen verbindet.”
– Henning Mütlitz, Chefredakteur Geek!

LESEPROBE

 

1 Schädelstube

Als Eko die Stahltür aufriss, verkrampften sich seine Finger um den Messergriff, den er in der linken Hand hielt. Es war nach Mitternacht – und genau das war entscheidend für seine Pläne. Eko huschte hinein und durch einen finsteren Korridor, bis er im Laternenlicht einen Schatten ausmachte, der weit mächtiger wirkte als sein eigener. Der Mann trug einen Kettenpanzer, darüber ein Holster mit einer Steinschloss­pistole. Muskeln und Fett hielten sich die Waage. Eko verbarg seine Nervosität, wie immer.

»Geh durch, Junge. Aber pass mit dem Messer auf«, knurrte der Gepanzerte.

Eko nickte bloß und ging weiter, denn wo er schweigen konnte, schwieg er. Nach einigen Schritten wurde es heller und lauter, denn in der Schädelstube war es schon ziemlich voll. Zahlreiche Hafenarbeiter, Seeleute und Söldner drängten sich an schmutzigen Tischen und verpesteten die Luft mit Tabakdampf und dem Geruch ungewaschener Körper. Nachts ging es hier so hoch her, dass alle Fensteröffnungen mit Brettern vernagelt waren. Die Dielen wirkten fleckig von verschüttetem Bier und Blutspritzern. Es gab eine Bühne, über der ein gigantischer Walschädel von der Decke hing. Eko fühlte sich unwohl und doch war er nicht zum ersten Mal hier.

Die Schädelstube war eine Taverne, eine Spielhölle, eine Arena für die Mutigen und für die Dummen. Hier versammelten sich Walfänger, Fischweiber, Tagelöhner, Holzfäller, Schmuggler und Spieler. Es war die Anlaufstelle für Hehler, Huren und Taschendiebe und gleichzeitig ein Ort, an dem Söldner Geschäfte machten. Wären seine Eltern noch am Leben, hätten sie Eko vor dieser Kaschemme gewarnt, denn sie war in der gesamten Stadt berüchtigt.

Seit er denken konnte, lebte er in Zwei-Stein, der Hauptstadt des Königreichs. Als Waise aufzuwachsen, war hier kein Zuckerschlecken, doch auf Sentimentalitäten verzichtete Eko seit Langem. Er setzte sein härtestes Gesicht auf und drängte sich durch die Menschenmenge. Unter seinen Schuhen knirschten Glasscherben, wohl Hinweise auf vergangene Schlägereien. Jeder Winkel war erfüllt von Lärm, Geschwätz und einem Gegröle, das bis zur Decke hinaufdröhnte. Frauen und Männer tummelten sich am Tresen und es herrschte das übliche Spektakel, das zwischen Zechen, Drängeln und Grapschen hin und her wogte.

Unvermeidlich schnappte er Gesprächsfetzen auf, die deutlich machten, wie sehr es in der Stadt brodelte.

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