Moritz Böger:

Die Aschebrut

 

Chronik der Söldner

 

"Den Pfad hinab kam ein Geschöpf, wie ich bisher keines aus der Nähe gesehen hatte. Die Körperform glich der eines Menschen, aber die Arme wirkten länger und endeten in knochig krummen Fingern. Die Haut grau und rau wie Vulkanasche. Keine Kleidung. Es war der erste Hautfresser, dem ich von Angesicht zu Angesicht begegnete."

 

Die geheimnisvolle Vulkaninsel Skelt.
Eine Gruppe Söldner soll im Dienst des Hochkönigs ermitteln, warum wertvolle Schwefellieferungen ausbleiben. Kjell Blutzopf übernimmt den Auftrag. Eine harmlose Quest, leicht verdientes Gold. Eigentlich.

 

Am menschenleeren Hafen stoßen die Abenteurer auf eine Leiche, die keines natürlichen Todes gestorben ist. Die Haut der Toten ist blass-grau und erinnert an Pergament. Kjell vermutet eine größere Katastrophe hinter dem mysteriösen Mord und will die Wahrheit herausfinden. Seine Gefährten sind die Kriegerin Jördis, der alte Haudegen Morten, der Heiler Veit, der Grünschnabel Kimi, die Brüder Sten und Stellan und das Großmaul Jasper.

 

Gemeinsam stoßen sie auf die sagenumwobene, unheilvolle „Aschebrut“. Was weiß der Abt des Klosters im Gebirge? Was verheimlicht der Kult des “Erbauers”? Und können die Söldner der hilfsbereiten Novizin Svea vertrauen?

 

Eine gefährliche Welt, voll dunkler Magie, brutaler Klans und finsterer Geheimnisse.

 

Paperback, 350 Seiten

mit Illustrationen von Dorothee Wittstock

ISBN 978-3-940853-79-0

EUR 15,-

 

Düster, erwachsen, durchdacht. Dieser Debütroman besticht durch starke Figuren und einen Weltenbau, wie man ihn in der deutschsprachigen Phantastik nur selten findet.

– Mike Krzywik-Groß, Autor von „Trümmerland“

Leseprobe

 

»Du bist endlich wach«, flüsterte sie sanft.

»Wo? … Wo sind wir?«, krächzte Veit. Jedes Wort erforderte große Anstrengung.

»In einer Höhle. Wohl der Schlafplatz unseres geheimnisvollen Retters. Knochen nennt er sich.«

»Knochen?« Veit hatte Schwierigkeiten, den Sinn der Worte zu erfassen.

»Ja, Knochen. Sein Name ist Knochen. Ein komischer Name, aber durchaus passend, wenn man ihn anschaut.«

»Und das hier ist … was? Sein Zuhause?«

»Zuhause ist vielleicht übertrieben. Es ist eine verdammt kleine Aushöhlung im Fels. Nicht viel größer als ein Mauseloch. Wie wir uns zu sechst hier reinquetschen konnten, ist mir ein Rätsel. Schau dich mal um!«

Und Veit sah sich um. Der Schlupfwinkel war tatsächlich extrem klein. Die Aushöhlung im Gestein war etwa eiförmig und hatte eine Tiefe von zwei Schritten. Der Ausgang – wenn man bei diesem Loch überhaupt von einem sprechen konnte – war mit Fellen verhängt. Veit fiel auf, dass er den Fellen so nahe war, dass sie wie eine stinkende Decke auf seinen Beinen lagen. Sie waren mit Blut und Exkrementen bedeckt und verströmten einen ekelhaften Geruch. Bei all seiner Abscheu vor dem abartigen Vorhang war ihm nicht bewusst, dass dahinter ein tödlicher Absturz lauerte.

Mitten im Eingang – nur einen Fingerbreit von den Fellen entfernt – saß Jördis und neben ihr schlief Knochen in sitzender Haltung. Jördis und Knochen saßen dicht beieinander wie Liebende, doch dies war nur der Enge der Höhle geschuldet, denn der Fremde schien zwischen Jördis und der Felswand geradezu eingeklemmt. Im Innern der Höhle schliefen Morten, Kjell und Jasper. Auch sie waren eingekeilt zwischen dem Gestein und hatten keinerlei Möglichkeit, sich auszustrecken. Sie schliefen mehr auf- als nebeneinander, was bei drei derben Söldnern ein geradezu grotesker Anblick war. (…)

»Du kannst dir nicht vorstellen, wie viele Biester unter der Höhle aufgetaucht sind. Es war eine einzige wimmelnde Masse. Sie sind übereinander geklettert, wie Ameisen, doch ohne Sinn und Verstand! Zum Glück haben sie in ihrem Irrsinn das Rohr völlig abgerissen und konnten uns nicht erreichen.«

»Und ich habe die ganze Zeit geschlafen?«

»Ich hab dich fast für tot gehalten. Wir hatten ja keinen Feldscher mehr, der dich hätte untersuchen können.« Jördis lächelte müde.

Auch Veit versucht es, brachte aber nur eine gequälte Grimasse zustande. »Und ihr?«, fragte er unter Schmerzen.

»Wir haben hier ausgeharrt. Die ganze Nacht haben diese Viecher gestöhnt und gekreischt. Manche haben gegrunzt wie Schweine! Ich hab vor Angst kaum ein Auge zugetan. Knochen hat mir erzählt, dass sie ihn wegen den Fellen vor der Höhle bisher nicht wittern konnten.«

»Wegen diesen abartigen Tierhäuten?«, fragte Veit.

»Wir haben viel geredet in der letzten Nacht. Er bezeichnet diese Biester als Hautfresser. Knochen sagt, er tötet so viele von ihnen wie er kann. Die Felle hat er wohl in ihr Blut getaucht. Und sie sogar mit Hautfresser-Scheiße beschmiert. Ekelhaft, aber wirksam, wenn man ihm glauben kann.«

»Aber wo sind diese Biester jetzt?«

»Kurz vor den ersten Sonnenstrahlen sind sie verschwunden. Knochen meint, sie vertragen kein Sonnenlicht. Sie jagen nur bei Nacht.«

»Und jetzt?«

»Wir haben die ganze Nacht beratschlagt. Genug Zeit hatten wir ja. Jetzt ruhen wir noch ein wenig und brechen dann auf. Noch eine Nacht in diesem Mauseloch kommt nicht in Frage. Knochen kennt sich auf der Insel aus und sagt, es gibt hier nur einen sicheren Zufluchtsort: Ein altes Kloster im Norden! Dort haben sich – abgesehen von Knochen – alle Überlebenden verschanzt. Es gibt bei der Sache nur einen Haken.«

»Und der wäre?«

»Wir müssen das Kloster heute erreichen oder wir sind tot. Sobald die Sonne untergeht, werden diese Hautfresser auf uns Jagd machen. Mitten im Gebirge sind wir leichte Beute. Knochen meint, der Weg zum Kloster ist hart, aber wir können ihn an einem Tag schaffen, wenn wir Glück haben.«

»Glück? Ich hab das Gefühl, dass wir kein Glück mehr hatten, seit wir diese verfluchte Insel betreten haben.«

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